Von Sascha Hameister
Ich bin zurück! Zurück in meiner kleinen heilen Welt in Ettlingen bei Karlsruhe. Wo ich war, fragt ihr? Ich war unterwegs in Idar-Oberstein beim 20. MZvD Jugendworkshop. In einer zauberhaften Welt der Magie, einer Welt in der Tag und Nacht verschwimmen und sich eine große Familie von Zauberern trifft.
Ich muss zugeben, dass ich anfangs skeptisch war, ob ein Jugendworkshop wirklich der richtige Ort für mich ist, da ich mich mit meinen 26 Jahren für Jugendworkshops eher am Ende der Altersskala befinde. Das was ich erlebt habe, sprengt aber alle meine Erwartungen und ich möchte euch hier kurz berichten, wie es mir erging.
D
er Donnerstag stand für mich voll im Zeichen meiner Praxisprüfung zur Aufnahme in den magischen Zirkel. Somit konnte ich Roberto Giobbis Vortrag über den Professor – Dai Vernon – leider nicht vollkommen miterleben, durfte aber trotzdem einige Prinzipien und Ideen mitnehmen, die Giobbi anhand alter Videoaufnahmen erklärte. Mit meiner geschichtenerzählenden Prüfungsnummer durfte ich den JeKaMi-Abend einleiten und habe mich sehr darüber gefreut in viele freundliche, herzliche Gesichter blicken zu dürfen und mich auch von Gisela (Achtung Insider!
) unterstützen zu lassen.
Im Anschluss an meine Nummer habe ich viele weitere tolle JeKaMi-Präsentationen von der Seite aus beäugen dürfen. Besonders gefielen mir die Nummern von Lina Heide und Rebecca Rohrmeier. Lina berichtete von Trollen und einer magischen Murmel. Rebecca ließ ein Kartenspiel erscheinen und schenkte dem Zuschauer eine Visitenkarte, auf dessen unterschriebener Rückseite später in der Hand der Mona Lisa die vom Zuschauer gezogenen Karte erschien.
Nachts ging es dann ab zur Eckenzauberei und ins Impro-Theater. Es wurde viel gelacht und gezaubert. Niemand brach sich einen Zacken aus der Krone das eine oder andere Geheimnis zu lüften und so das eigene Wissen zu teilen. Nach einer kurzen Nacht und ausgiebigem Frühstück ging es Freitagmorgen zum Flick-Flack-Workshop “Die Magie der Bewegung”. Neben effektiven Methoden gegen Lampenfieber und Prüfungsstress (wie David Fabricius bereits berichtete) war meine besondere Erkenntnis, dass es sinnvoll ist die Arme in “Jogging-Haltung” zu halten. Dies wirkt zwar in mir selbst noch ziemlich befremdlich, sieht jedoch viel besser aus, als die Arme schlaff herabhängen zu lassen. Mit etwas Training wird dies sicher auch in meinen natürlichen Bewegungsschatz aufgehen.
Gestärkt vom Mittagessen und einigen zuvor bei Flick-Flack gelernten Entspannungsübungen ging es für mich in den Theorieteil meiner MZvD-Prüfung. Ich war wirklich sehr nervös, obwohl ich doch lange hierfür gelernt hatte. Viele freundliche Menschen nahmen mich kurz beiseite, wünschten mir Glück und machten mir Mut.
Mit einem guten Gefühl machte ich mich nach der Prüfung auf, etwas Schlaf nachzuholen, der in Idar-Oberstein wirklich spärlich gesät ist. Abends ging es dann ins Stadttheater zum zweiten JeKaMi. Auch hier gab es viele spannende Nummern. Simone Rau überzeugte mit ihrem Programm rund um die Olympiade im Schnellpuzzlen. Im “Werbeblock” ihres Programms stellte sie das neue Waschmittel FISm vor, das neben Rotwein- und Weißweinflecken auch die besonders schlimmen Gelbwein- und Grünweinflecken entfernt.
Der Höhepunkt für mich an diesem Abend war jedoch, dass ich die Aufnahmeprüfung in den magischen Zirkel bestand. Zurück in der Jugendherberge feierte ich mit viel Eckenzauberei dieses Ereignis, sodass auch diese Nacht relativ kurz ausfiel.
Roberto Giobbi erklärte uns im Workshop Dinge, die für mich eigentlich selbstverständlich waren… und doch hatte ich sie jahrelang nicht richtig gemacht. Er erläuterte die Fragen “Wie funktioniert eigentlich genau ein Überhandmischen?” und “Was muss ich beim Abheben und Falschabheben beachten?”. Zudem erklärte er den Unterschied in der Kommunikationsgrammatik auf Bühne und im Close-up-Bereich.
Nachmittags erwartete uns ein ganz besonderer Workshop “Die Magie der Bühnenpräsenz”, auf den ich mich seit meiner Anmeldung für Idar-Oberstein gefreut hatte. Susanne Sewald arbeitete mit uns am Verständnis, was für Qualitäten in einem Raum liegen und klärte mit uns den Begriff der Bühne. In verschiedenen Szenen versuchten wir herauszufinden, wie Qualitäten in einem Raum entstehen und wie man sie verändern kann. So fanden wir heraus, warum ein Lehrer keine Ruhe in einen Raum bringen kann, wenn er währenddessen innerlich kocht, mit den Füßen trippelt und die Hände knetet. In einer anderen Szene spielte ich einen auffällig aggressiv, nervigen Zuschauer, der versuchte, dem Künstler die Bühne streitig zu machen. Wir überlegten uns Handlungsstrategien und probierten ihre Wirkung direkt aus.
Der Höhepunkt in Susannes Workshop war für mich, dass wir an der Begrüßung in meiner Nummer gearbeitet haben. Meine Darbietung ist sehr ruhig, romantisch und mystisch und ich stellte die Frage, wie ich beispielsweise nach einer spannenden, lauten Nummer die Aufmerksamkeit des Publikums einfangen kann, ohne die Stimmung abzuschneiden. Hierzu probten wir mindestens ein Dutzend Mal, wie ich auf die Bühne komme, wann meine Musik einsetzt und mit welcher Intonation ich wann spreche.
Statt davon genervt zu sein immer wieder denselben Text zu hören, halfen mir Susanne und die Workshopteilnehmer unermüdlich dabei meine Begrüßung immer weiter zu verbessern. Nun ist es für mich viel einfacher geworden zu Beginn 30 Sekunden still vor Publikum zu sitzen und dabei zu entspannen (Ja, das ist Teil meiner Nummer). Dem grandiosen Workshop, in dem sicherlich nicht nur ich viele Gedanken und Ideen mitgenommen habe folgte die abendliche Gala.

Jan Forster führte humorvoll und mental durch das Programm und nicht nur ich war erstaunt darüber wie Ted McKoy eine Variante von Kurz-Mittel-Lang präsentierte, die das Publikum am Ende der Nummer fast zum Ausflippen brachte. Nach erfolgtem Aufstieg zurück zur Jugendherberge stand die letzte Nacht an, die es zu gestalten galt. Schließlich wollte ich möglichst keine Minute Idar-Oberstein mit überflüssigem Schlaf verschwenden. Dieses Gefühl hatten noch einige andere Nachtgeister, die sich auch erst um 6 Uhr zum schlafen legten.
Nach Andreas Fleckensteins Seminar “Findet Mnemo” konnten sich viele von uns viel besser an Dinge erinnern, nachdem wir verschiedene Methoden Memorierens kennen gelernt hatten. So denke ich fortan an Gisela, wenn ich einen Würfel in die Hand nehme und an einen Rennfahrer, der Kurz-Mittel-Lang präsentiert, wenn ich irgendwo die Zahl eins lese.
Mit lachendem und weinendem Auge stieg ich ins Auto, um die Rückfahrt anzutreten: Müde, geschafft, glücklich, verzaubert.
Der Tag danach: Über 30 neue Facebook-Freunde, viele Unterhaltungen mit Teilnehmern, Freude, Glück, Müdigkeit, die Sicherheit im nächsten Jahr wieder Idar-Oberstein zu besuchen, diesen Artikel für die Trixxbox schreiben, Freude auf die Jugendmeisterschaft in Frankfurt!
Wenn ich euch nun verrate, dass ich mich mit diesem Artikel wirklich kurz gehalten habe, dann könnt ihr euch sicher vorstellen, wie viel man in 4 Tagen Hogwarts, äh pardon, Idar-Oberstein wirklich erlebt.
Ich wünsche euch eine gute Zeit!
Sascha Manuel